Revolution? Evolution? Ausnahmezustand? Erkenntnisse aus dem Corona-Homeoffice

30/11/2021  
Hier schreibt Bestsellerautorin 
Anitra Eggler
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Hard times create strong men, strong men create good times, good times create weak men, weak men create hard times.

G. Michael Hopf

Mehr Home oder mehr Office? Arbeiten im Ausnahmezustand


Es gibt Momente, in denen die Weltgeschichte den Atem anhält. Im März 2020 war so ein Moment. Es war Freitag der Dreizehnte. Auch das noch. Von einem Tag auf den anderen mussten Tausende Menschen ihren Arbeitsplatz räumen, um ihn dort aufzuschlagen, wo sie bislang nicht gearbeitet, sondern gelebt, geliebt, über ihre Arbeit gelästert und sich von ihr erholt hatten: zuhause.

Die Österreicher, denen sonst der Ruf der Gemächlichkeit anhaftet, waren nach den Italienern die ersten, die rigorose Corona-Quarantäne-Maßnahmen umsetzten. Nie war ich stolzer, Wahl-Wienerin zu sein. Als der kindliche Kai- ser, sorry, der kindliche Kanzler, kurz, der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (33) am Freitag, den 13. März 2020 um 14 Uhr den Corona-Aus- nahmezustand ankündigte, war ich gerade im Käseland. Während meine Wiener Mitbürger Klopapier hamsterten, hatte ich meinen Einkaufsfokus auf Holz, Blumen, Wein, Kaffee und Käse gelegt. Käse war der letzte Punkt auf der Liste.

Das Käseland ist eine Wiener Institution. Ein Mini-Mundus inmitten des Wiener Naschmarkts. Seit vielen Jahren führt mein erster Gang ins Käseland, wenn ich von Reisen heimkehre. »Und, wo kommen Sie heute her?«, erkundigt sich meine Lieblingsverkäuferin verlässlich. Am glücklichsten bin ich, wenn ich »vom Meer« oder »aus Buenos Aires« antworten kann. »Ach«, seufzt sie dann, »Sie bringen mir wieder die ganze Welt ins Käseland!«

An diesem Freitag hatte ich zum letzten Mal die Welt dabei, in der ich seit 46 Jahren lebte.

Als ich das Käseland eine halbe Stunde später verließ, ging ich in eine neue Welt. Eine, die im Käseland ihre Geburtsstunde erlebt hatte. Es war zwar Frei- tag der Dreizehnte, dennoch schien mir dieser Geburtsort ein gutes Omen. Außerdem war ich inzwischen beschwipst. Und das kam so:

Im Käseland stellte ich erstaunt fest, dass ich die einzige Kundin war. Das war noch nie vorgekommen. Der Naschmarkt ist freitags eine touristische Nah- kampfzone. An diesem Freitag war er wie ausgestorben. Und so waren wir nur zu fünft, vier Käselandler und ich, als es 14 Uhr schlug, die Angestellten ein Radio aufdrehten und die Stimme von Bundeskanzler Kurz ganz Österreich in einen Ausnahmezustand versetzte, der noch heute, vier Wochen später, andauert.

Der Kanzler sprach, und mir wurde klar, dass die kommenden Wochen anders werden würden als alles, was ich je erlebt hatte.

Die Ansprache endete mit der Ankündigung, dass ab Montag alles schlie- ßen würde, was nicht Supermarkt, Drogerie, Tierhandel oder Apotheke war. Da hörte ich mich sagen: »Ich glaube, ich brauch jetzt einen Schnaps!« Die Angestellten reagierten solidarisch. »Wir haben Schnaps!« rief ein Käseland- mann und zauberte eine Pulle unterm Tresen hervor. Dann tranken wir einen Erwachsenenschluck auf alles Gute. Für einen Moment stand die Zeit still im Käseland. Wir fühlten uns trotz Sicherheitsabstand umarmt.

Dann trat ich hinaus in eine neue Welt.

Zurück zu Hause im Home-Office sank meine innere Temperatur, als mir be- wusst wurde, was die Corona-Maßnahmen für meine Arbeit und meinen Jah-resumsatz bedeuten könnten. Ich hatte im Dezember 2019 »Das Digital Detox Buch« veröffentlicht und mir anschließend zwei Monate Kreativzeit in einem kleinen Fischerdorf am Golf von Mexiko gegönnt. Als ich zurückkam, war meine Kriegskasse leer. Wenn ich nicht schreibe, Content kreiere oder Blumen beim Wachsen zusehe, trete ich bei Großveranstaltungen als Keynote-Spea- kerin auf. Im März sollte mein Vortragsjahr starten. Ich war voller Tatendrang. Mein Kalender war ausgebucht und bis zum Sommer prallvoll mit Ereignis- sen, auf die ich mich sehr freute.

All das änderte sich durch die Corona-Maßnahmen schlagartig. Binnen kür- zester Zeit wurden alle Veranstaltungen im ersten Halbjahr abgesagt. Mein Vortragsjahr endete, bevor es begann. Es ging mir wie allen Menschen, die begreifen mussten, dass sie ihre bisherigen Pläne für das Jahr 2020 beerdigen müssen. Niemand tut das freiwillig.

Binnen der ersten Corona-Quarantänewoche durchlebte ich die fünf Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross in Rekordgeschwindigkeit.

Zunächst leugnete ich die Möglichkeit, dass sämtliche Auftritte abgesagt werden würden – täglich kamen weitere Absagen. Dann zürnte ich meinem Schicksal – das machte es noch unerträglicher. Die dritte Phase erreichte ich am dritten Tag: Ich machte einen Kassensturz. Dann verhandelte ich rigide Sparmaßnahmen mit mir selbst. Anschließend erklärte ich mir, dass auch ein paar zwangsverordnete Home-Office-Wochen ein Luxuszustand sein können. Wenn ich diese Zeit mit kreativer Arbeit erfülle … Das tröstete mich und setzte neue Energie frei, die mir die vierte Phase, die Depression, erleichterte – aber nicht ersparte.

Den vierten Tag dominierte mein innerer Schweinehund. Seine Stimme klingt wie die der fiesen Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch. Alle paar Minuten meldete er sich zu Wort. Er flüsterte mir zu, dass jede kreative Anstrengung in Zeiten einer globalen Rezession vergeblich sei. »Gib auf, Anitra«, sagte er. »Leg dich aufs Sofa. Schlag’ die Zeit mit Serien tot. Tröste dich mit Schokolade. Bekomme Übergewicht. Ergib dich der Schwerkraft und bleib liegen!« Abends trank ich einen Schnaps und knipste mir und dem inneren Schweinehund die Lichter aus. Am fünften Tag hatte ich Kopfschmerzen. »Nur Tote bleiben liegen!« sagte ich und imitierte dabei die Stimme meines preußischen Groß- vaters. Dann stand ich auf und akzeptierte die neue Corona-Situation.

An diesem Tag kam mir die Idee, einen Homeoffice Survival Guide zu schreiben. Das war meine Rettung. Ich fing sofort an, Kunden, Kollegen und Freunde zu interviewen. Ich begann zu schreiben und plötzlich erlebte ich, was gemeint ist, wenn gesagt wird, dass jede Krise voller Chancen steckt – man muss sie nur ergreifen.

Während ich in der vertrauten Umgebung meines Home-Office durchstartete, verloren Hunderttausende Angestellte alles, was sie bisher kannten.

Die Teilung von Arbeit und Heim wurde durch die Corona-Quarantäne nicht nur aufgehoben, sie wurde ausgehebelt.

Als im März 2020 weltweit sukzessive Millionen Menschen gezwungen wurden, von einem Tag auf den anderen ihren Arbeitsplatz zu verlassen, um sich mit Partnern, Kindern, Haustieren und Zimmerpflanzen in Arbeits- und Lebensquarantäne zu begeben, hielt die Weltgeschichte erneut den Atem an.

Würde das gutgehen? Würde das überhaupt gehen? Und wenn ja, wie würde das ausgehen für die Menschen, ihre Gesundheit, die Wirtschaft und Donald Trump? Für die meisten Menschen begann diese Zeit mit einer traumatischen Erfahrung. Ich musste meine Jahrespläne beerdigen, Verträge neu verhandeln und unzählige Reisen stornieren. Andere mussten ihren Laden zusperren oder wurden gezwungen, ihr Büro zu verlassen. Hätte man jemals gedacht, dass man es als traumatisch empfinden würde, wenn man gezwungen würde, seinen Arbeitsplatz zu verlassen? Niemals, oder?

Die wenigsten Angestellten freuten sich auf die abrupte Home-Office-Erfah- rung. »Meine Sachen einzupacken, hat sich schlimm angefühlt«, erzählte mir eine Kundin, die für einen strengen Führungsstil bekannt ist. »Ein verwaistes Büro mit einem Karton voller Arbeitszeug zu verlassen, ohne zu wissen, wann und wie man zurückkehrt, das hat sich apokalyptisch angefühlt« konstatier- ten auch hartgesottene Manager in meinem Bekanntenkreis.

Die Apokalypse? Darunter hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Was in Endzeitfilmen stets mit viel Action, enthemmtem Sex und Heldentum stattfindet, reduzierte sich 2020 sehr rasch auf einen Kampf um Datenleitung, Desinfektionsmittel und Klopapier.

Willkommen im Großversuch »Corona-Home-Office für alle«.

Der erste Tag im Home-Office begann für Heimarbeit-Neulinge mit einem Realitätsschock. Plötzlich war beides weg: die Infrastruktur des Büros und die Gemütlichkeit zuhause. Dafür waren jetzt Kinder und Haustiere da. Die eigenen und die der Kollegen. Die ersten Video-Konferenzen fühlten sich an wie die ersten Pyjama- Partys in der Kindheit. Dieses Gefühl verging. Die Corona-Krise blieb und ist, während ich diese Zeilen schreibe, noch nicht vorbei.

Als Zwischenbilanz hier ein Resümee aus den ersten vier Wochen. Alles rein subjektiv, aber vielleicht inspirierend für dich, deine Home-Office-Situation heute und die Nachwelt.

Erste Erkenntnisse aus dem Corona-Home-Office-Großversuch anno 2020

Die Vorteile von Home-Office und virtueller Zusammenarbeit können mannigfach sein: Man spart den Arbeitsweg und gewinnt Zeit, Online-Meetings sparen CO2 – wenn man sie nicht zu 200 Prozent durch Video-Meetings ersetzt –, die Umwelt kann aufatmen.

Im eigenen Rhythmus zu arbeiten fördert Kreativität und Produktivität, die Heimarbeit ist familienfreundlich und unterstützt neben der Work-Life-Balance im besten Fall auch die Love-Life- Balance.

Trifft bei mir alles zu. Ich arbeite ja auch schon seit vielen Jahren im Home-Office. Im Corona-Home-Office regiert jedoch der Ausnahmezustand, da gelten andere Regeln, wenn überhaupt Regeln gelten.

Die wichtigste Erkenntnis nach vier Wochen: Wenn das Home-Office ein regelfreier Raum bleibt und Menschen gezwungen werden, dort völlig unvorbereitet und unter großem wirtschaftlichen Druck zu arbeiten, können sich die Chancen schnell in Gefahren wandeln: Auch an 12-Stunden-Tage gewöhnte Führungskräfte berichteten mir unisono, dass sie noch nie so viel, so konzentriert – und so pausenlos gearbeitet haben wie im Corona-Home-Office.

»Ich kann überhaupt nicht mehr abschalten!«, erzählte mir eine Managerin. »Mein Boss und meine Mitarbeiter rücken mir jetzt 24/7 auf die Pelle. Am schlimmsten sind Singles: Die kommunizieren rund um die Uhr. Zuhause war immer mein Rückzugsort, der ist jetzt weg. Die vielen Video-Calls stressen mich extrem. Ich schlafe schlecht. Weil die Kinder daheim sind, habe ich keine einzige freie Minute mehr. Gestern habe ich meinen Mann und die Kinder angeschrien. Als ich mich 'Haltet jetzt endlich mal alle die Fresse!!!‘ brüllen hörte, bin ich selbst erschrocken. Dass ich noch nicht völlig ausgerastet bin, ist ein Wunder.«

 

Learning by failing: Infrastruktur kostet 50 Prozent der Produktivität und 100 Prozent Nerven. 

Diese Erfahrung haben alle in der ersten Corona-Home-Office-Woche gemacht. Die digitale Überforderung war so fühlbar wie nie, die Lernkurve noch nie so steil. Learning by failing steht weltweit hoch im Kurs. Nach vier Wochen Corona-Home-Office konnten sich inzwischen auch Digitalisierungsverweigerer live davon überzeugen, dass alles geht, wenn man will, was man muss.

 

Datensicherheit second, performance first. 

Der Ansturm auf digitale Gruppenkommunikations-Werkzeuge war in den ersten Corona-Home-Office Tagen so groß, dass zwei Dinge passierten:

1 Business-Tools waren auf den Ansturm nicht vorbereitet, Anwendungen crashten, Leitungen brachen zusammen.

2 Die Gratis-Tools aus dem Massenmarkt hielten den Ansturm aus, leben aber großteils vom Datenverkauf, was sie für die Business-Kommunikation zu einem Geschäftsrisiko macht.

Um kommunikationsfähig zu bleiben, verlagerten selbst börsennotierte Großkonzerne vertrauliche Kommunikation trotzdem auf Gratis-Tools und Massenmarktprodukte wie WhatsApp. Als die ersten Flitzer in Zoom-Meetings ihre Fortpflanzungsorgane zeigten und der Begriff des »Zoombombing« geboren war, wurde vielen bewusst, dass sie im Web nie sicher und auch nie ganz alleine sind – ein schrecklicher und ein schöner Gedanke zugleich.

Distanz verstärkt die Unternehmenskultur.

Das bekommen besonders die Unternehmen zu spüren, bei denen Distanz auch im normalen Arbeitsalltag gelebt wird und Mitmenschlichkeit nur im Geschäftsbericht zu finden ist. In einer Situation der kollektiven Unsicherheit und Sorge liegen Nerven schneller blank. Wenn nur noch digital kommuniziert wird, ist es deshalb doppelt wichtig, dass sich die Kommunikation durch Emotion und Menschlichkeit auszeichnet, die über Emojis hinausgeht.

 

Arbeiten versus Zeit absitzen: Dank Produktivitätsschub Mittagspause im Schaumbad. 

Glückliche Angestellte machen die Erfahrung, dass sie im Home-Office in weniger Zeit mehr schaffen und bessere Ergebnisse erzielen. Die Möglichkeit, sich die Arbeitszeit freier einzuteilen und Aufgaben im Lustprinzip abzuarbeiten, wirkt in diesem Idealfall als Produktivitätsbooster. »Ich arbeite nur noch fünf Stunden am Tag und erziele dieselben Ergebnisse wie an eineinhalb Tagen im Büro, wenn ich viele Besprechungen habe«, erzählte mir ein Sachbearbeiter, der seine Mittagspause deshalb auf zwei Stunden ausgedehnt hat und sich jeden Tag um Punkt 12 Uhr ein Schaumbad gönnt.

Kicker statt Kompetenz.

Viele Unternehmen haben in Kicker und Büros investiert, die aussehen wie Spielplätze im Silicon Valley. Wer parallel dazu nicht in die digitalen Fähigkeiten seiner Mitarbeiter investiert hat, muss das jetzt im Eilverfahren nachholen: Remote Work, Online Meetings, Virtual Leadership, Deep Work – mit oder ohne Corona-Krise: Das sind Themen und Kompetenzen, die wir heute, morgen und übermorgen brauchen.

Bye-bye Multitasking! 

Endlich: Multitasking wird unmöglich – zumindest in den ersten zwei Wochen. In den ersten zwei Wochen im Corona-Home-Office berichteten Kunden und Kollegen aller Branchen von einem spannenden Phänomen: Die hochkonzentrierte Präsenz in einem Dutzend Video-Meetings am Tag machte es unmöglich, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Mails während Video-Meetings schreiben? Unmöglich. Mal kurz unterm Tisch im Familien-Chat checken, ob Opa und Oma neue Lebensmittel brauchen? Unmöglich. Schöne Gruppendynamik: Weil Multitasking nicht mehr möglich war, wurde es auch nicht mehr eingefordert. Die Menschen wurden geduldiger miteinander. Man ließ sich mehr Zeit, der Sofortness-Druck fiel weg. Das war eine Wohltat, doch sie währte nur kurz.

 

Hallo Multitasking, wie unschön, dass du wieder da bist. Oder: Wie man an drei Calls gleichzeitig teilnimmt, ohne den Verstand zu verlieren. 

Mit dem wirtschaftlichen Druck nimmt der Kommunikationsdruck zu. Ab Woche drei berichteten mir Entscheider, dass ihre Kalender mit Calls derart überbucht waren, dass sie anfingen, an mehreren Online-Meetings gleichzeitig teilzunehmen. Wie das geht? Mit Hornhaut auf den Nerven, ohne Kamera, mit Stummschaltung bei zwei von drei Calls und natürlich mit mehreren Geräten am Start.

Ist das noch Multitasking oder bereits Selbstverstümmelung? Betroffene beschreiben diesen Zustand gerne mit »Ich bin dann immer kurz vor dem Hirnschlag! «

Tipp: Sich regelmäßig Fake-Calls einbuchen und diese Zeit für eine Siesta nutzen. Neue Arbeit braucht neue Regeln und manchmal hilft es, alle Regeln zu brechen. Auch wer im Home-Office arbeitet, weil er dort arbeiten muss, kann Regeln individuell gestalten oder individuell interpretieren. Das ist bei aller Unfreiheit eine große Freiheit. Nutze sie! Maximal 50 Prozent der Arbeitszeit mit Calls und Meetings verplanen – mehr ist Körperverletzung und vernichtet Produktivität.

Die Inflation der Online-Meetings erschöpft nicht nur, sie führt auch zu einem nie gekannten Maß an Überkommunikation: Jedes Online-Meeting generiert eine E-Mail-Flut, die sich nicht beantworten lässt, wenn man am Tag in einem Dutzend Online-Meetings festsitzt. Erschwerend kommt hinzu, dass durch den Wegfall der persönlichen Kommunikation viel mehr im Mailverkehr entschieden werden muss. Erneut steigt die Zahl der E-Mails. Deshalb: Gemeinsam einen Konsens finden, der insbesondere Führungskräften täglich mindestens 30 Prozent Entscheiderzeit zugesteht – die wird in Krisenzeiten dringender gebraucht als sonst.

 

Einen Kuss kann man nicht digitalisieren. Das persönliche Gespräch auch nicht. 

War das schön, als man im Büro einfach aufstehen konnte, um dem Lieblingskollegen auf die Schulter zu klopfen und ihn zu fragen, ob er Lust hat, gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken. Auch die Gelegenheit, dem Chef zufällig am Wasserspender aufzulauern, um wichtige Entscheidungen zu pushen, fällt im Corona-Home-Office weg. Alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, waren deshalb der Meinung: Das persönliche Gespräch und der menschliche Kontakt sind langfristig durch nichts zu ersetzen. Kein Emoji ersetzt einen Kuss, kein Call die menschliche Nähe.

Ein weiteres Learning aus dem Corona-Home-Office: Die Notwendigkeit, für den geringsten Anlass Gesprächstermine meist mit mehreren Menschen vereinbaren zu müssen, hat die Kommunikationsflut derart verkompliziert und gesteigert, dass es unmöglich erscheint, sie in den Griff zu bekommen.

 

Baby-Boom oder guten Morgen Herzinfarkt? Love-Life-Balance im Home-Office. 

Was wird durch die Corona-Krise stärker steigen? Die Scheidungs- oder die Geburtenrate? Ich höre von einigen Trennungen und hoffe auf die Geburtenrate. Die neue Generation wird »Die Coronials« heißen. Ihre besonderen Merkmale könnten sein: Coronials kommunizieren rein digital und halten sich vermehrt drinnen auf. Sie meiden größere Menschenansammlungen über zwei Personen. Sie fahren kein Auto, atmen nur frische Luft und baden in klarem Wasser. In ihrer DNA finden sich Reste von Klopapier und Penne integrale.

 

Doppel-Belastung Kind und Karriere: Dreifach- Belastung Kind und Karriere und Home-Office. 

Darin waren sich alle Mütter einig, mit denen ich gesprochen habe: Home- Office mit Kindern muss Ausnahmezustand bleiben, weil es auch den Familienfrieden und die Produktivität in einen Ausnahmezustand versetzt.

 Liebe Männer, falls es eure Frauen noch nicht erwähnt haben, mir wurde immer wieder Folgendes berichtet: Während Väter sich im Home-Office erfolgreich abkapseln konnten, blieben Hausarbeit, Home-Office-Arbeit und Kinder fast 17 vollständig an der Mutter hängen. Weil auch die Haushaltshilfe fern blieb, mussten viele berufstätige Mütter hier zusätzlich ran – und das mit Kindern, die durch ihr Eingesperrtsein zuhause noch viel mehr Chaos anrichteten als sonst. »Kurz vor dem Amoklauf« – dieser Satz beschreibt am besten, unter welchen Bedingungen viele Mütter im Home-Office zu Corona-Quarantänezeiten arbeiten müssen. Einige von ihnen fahren nachts deshalb an ihren alten Arbeitsplatz, um dort wenigstens für ein paar Nachtstunden ungestört arbeiten zu können. So viel zum Thema familienfreundliches Home-Office in der Corona-Krise …

 

Corona-Krise macht Schule: Weil es muss, wird das digitale Klassenzimmer endlich möglich. 

Das beste Beispiel für eine große Chance, die die Corona-Krise birgt, wird an Schulen sichtbar. Über Nacht mussten Lehrer und Schüler einen Digitalisierungs- Crashkurs absolvieren. Ja, es gab Unfälle.

In den ersten Corona- Quarantäne-Wochen kam es auf der digitalen Autobahn immer wieder zu Massencrashs. Lehrer prallten auf ihre Schüler, die im Bett liegend zum Unterricht »erschienen«.

Schüler entwickelten über Nacht einen unvorstellbaren neuen Ausredewortschatz, der stets zum Ziel hat, die Kamera auszulassen.

Man gewöhnt sich an alles: Steckten vor der Corona-Krise noch viele Schulen in der Kreidezeit, ist es inzwischen bereits ganz normal geworden, wenn Trolle den Unterricht stören und Exhibitionisten durchs digitale Klassenzimmer flitzen, weil ein Schülerschelm die Zugangsdaten für den Klassenraum in Social Media verbreitet hat …

Inzwischen haben Schüler und Lehrer gelernt: Vertrauen ist gut, Vorsicht ist besser, Kontrolle muss sein und mit einem spannenden Mix aus interaktivem Unterricht und stiller Arbeit macht die Corona-Krise auch langfristig Schule.

 Im virtuellen Klassenzimmer gilt übrigens wie im Home-Office für Lehrer und Schüler: Alle erscheinen angezogen und sitzen an einem Arbeitsplatz, der den Namen verdient.


Auch Eltern gehen wieder zur Schule: Home Schooling ist kein Angebot, sondern eine Zusatzaufgabe. 

Während den digitalen Unterricht alle begrüßen, klagen Home-Office-Eltern über die Zusatzbelastung, die unter dem wohlklingenden Namen »Home Schooling« in ihre Quarantäne getreten ist. Learning: Wenn die Arbeitsgeräte der Eltern auch für den Schulunterricht herhalten müssen, leidet die Produktivität von allen.

Wenn die digitale Kompetenz der Eltern nicht ausreicht, um Kinder beim digitalen Lernen zu unterstützen, ist es dringend Zeit für Nachhilfe!

 

Was in der Familie oft zu viel ist, haben Einzelkämpfer zu wenig: Sozialleben im Corona-Home- Office. 

Hier hat sich schnell gezeigt, welche wunderbaren kreativen Möglichkeiten das Digitale bietet, um trotz räumlicher Distanz eine emotionale Nähe herzustellen. Happy Hour-Hangouts mit den Kollegen, bei denen der berühmte Quarantini getrunken wurde, gemeinsames Morgen-Yoga oder gemeinsame Motivationsmusik-Listen sind nur ein kleiner Teil dessen, was in kürzester Zeit möglich wurde, um trotz der Isolation menschliches Miteinander zu leben und zu erleben.

 

Spaß ist ein Erfolgsbenzin: Die Corona-Krise, eine virale Kampagne von Zoom? 

Das war ein Scherz. Einer der unzähligen, die ich in den letzten Wochen erhalten und eingefordert habe. Ich bin sonst eher dafür bekannt, dass es mich nervt, wenn man mir unkommentiert Flachwitze schickt. In Zeiten, in denen die tägliche Nachrichtenlektüre einer Anleitung zum Selbstmord gleichkommt, unterhält die tägliche Dosis Corona-Fun auch meine Lebensgeister. Viele Unternehmen haben begonnen, die witzigsten Witze der Woche freitags an alle zu senden, damit die Mitarbeiter auch am Wochenende was zu Lachen haben. LOL.

Mit dem Arbeitsplatz und den Kollegen ist es wie mit der Gesundheit. Man schätzt sie erst, wenn sie nicht mehr da ist. 

Alle Menschen, die ihre Corona-Home-Office-Erfahrung mit mir geteilt haben, empfanden am Ende des ersten Monats echte Sehnsucht und große Vorfreude: Sie konnten es kaum erwarten, wieder ins Büro und an ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Es gab keinen, der nicht davon träumte, in der vertrauten Arbeitsumgebung mit den Kollegen die Rückkehr in alte Räume und den Beginn einer neuen Normalität zu feiern. Die meisten träumen noch einen Schritt weiter und wünschen sich für die Zukunft ein neues Arbeiten, das die Learnings aus der Corona-Zeit berücksichtigt und ein Mix aus remote work, virtueller Zusammenarbeit und persönlichem Miteinander ist. 

Dieser Text ist aus der Erstausgabe meines Homeoffice Survival Guides – Effektiv, erfolgreich und entspannt zu Hause arbeiten. Die besten Tipps für Zeit- und Selbstmanagement, Produktivität, Motivation und digitale Kommunikation. 

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Anitra Eggler ist Web-Veteranin und Digital-Detox-Pionierin. Der ORF bezeichnet die Bestsellerautorin als „die gefragteste weibliche Stimme zur Digitalisierung“, ihre Mutter nennt sie „Fräulein Fröhlich“. Als Keynote-Speakerin zählt sie zu den inspirierendsten Vortragsrednern unserer Zeit. Ihre Bürokrieger-Bootcamps & Digital-Detox-Online-Kurse sind heißbegehrt. Anitra startete ihre Karriere in den 90er-Jahren als Journalistin und zählte als Digitalisierungspionierin zur Avantgarde der Branche. Anitra meditiert und programmiert. Sie sammelt Sonnenaufgänge und Momentglück und lebt ohne Uhr in der Schweiz – Zeit ist ihre Rolex.

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